13.03.2009

Der Amoklauf von Winnenden als Medienfälschung und Akt der Männergewalt gegen Frauen

Für mich fast noch erschütternder als der Massenmord ist die völlige Blindheit all derjenigen, die über ihn berichten und über die Natur dieser Tat und ihr Motiv rätseln. Als läge das Motiv nicht klar auf der Hand: Frauenhaß, Männlichkeitswahn.
Erschütternd deshalb, weil damit die nächsten Massenmorde vorprogrammiert sind, denn eine vernünftige Prävention setzt zuallererst eine korrekte Analyse des Tatmotivs voraus. Eine solche Analyse wird nicht vorgenommen, es wird rumgenebelt in einem unfassbaren Ausmaß.


So der Kern der Analyse der Linguistin un Feministin Luise F. Pusch.

Ein lesenswerter Artikel über die Verdränungsmechanismen von Medien und Gesellschaft. Immer wieder faszinierend, wie das Sprachliche und das Gesellschaftliche ineinander fließen. Ebenfalls fasznierend wie Tatasachen (wild um sich geschossen vs, gezielte Kopfschüsse) gedreht werden, so dass sie ins Bild passen.

[Offenlegung: Luise Pusch ist eine Kundin von mir.]

Ebenfalls eine Medienanalyse liefert Johnny bei Spreeblick. aus anderem Blick-Winkel.

Kernpunkte:
Wo Annäherung gefragt ist, sendet die ARD Ausgrenzung, wo es um gesellschaftliche Ursachenkomplexe gehen muss, bekommt der Zuschauer Klischees geliefert, die er mit einem „Ich hab’s ja immer gewust“-Nicken bestätigen kann. (...) Doch über Schulen wird bei „Hart aber fair“ zur Primetime in der ARD nicht diskutiert. Natürlich verlangt auch niemand ein Verbot von Schützenvereinen, und ein solches Verbot wäre auch tatsächlich albern, doch die generelle Krux wird dadurch schnell klar: Ursachen werden niemals im bestehenden System gesucht, sondern ausschließlich im jungen, direkten und von der etablierten Gesellschaft weder akzeptierten noch verstandenen Kultur- und Sozialbereich der Täter.

Der Punkt bei beiden Kommentaren ist klar: die herrschende Medienmeinung macht sich die Wirklichkeit dann solange passend, bis sie ins vorgefasste Bild passt.

Oder wie Nietzsche sagte: "Jedes Wort ist schon ein Vorurteil."

Dazu abschließend ein Zitat eines baden-württembergischen Ministers gestern (sinngemäß): "Ich will mich zu dieser Zeit NOCH nicht an einer Diskussion über mögliche Verhinderungsmaßnahmen beteiligen." Nee klar, er wartete erst bis Ballerspiele gefunden werden und ein Internetzugang 'liegt'... und DANN.

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Kommentare:

  1. Vorgestern sprach ich mit einem erregten Mann, der meinte, seine Bildersammlung verkaufen zu müssen, wenn "nach Winnenden" die Waffengesetze so verschärft würden, dass "anständige Menschen ihren Besitz nicht mehr schützen können." Ich habe ihn bedrängt, etwas zu Spielen zu sagen. Die kennt er gar nicht, glaubt auch nicht, dass sie gefährlich sind - aber: "Wenn dieser Müll verboten wird, schadet es keinem." Keinem wie ihm. Das, denke ich, ist auch seines Abgeordneten Welt. (Der erwähnt dann aber höchstens Schützenvereine.)

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    1. Yep, das 'Guns don't kill people, games kill people.' erdichtet sich immer mehr.

      Seite bald Jahrzehnten benutze ich die Metapher vom 'Krieg an den Fließbändern'.
      Was glauben 'die' eigentlich, was man mit Menschen so alles machen kann, ohne dass 'etwas passiert'?

      Und: Wo es am einen Ende Leute wie Gates, Jobs, Berners-Lee, Lessig, Weizenbaum und Einstein gibt, da *muss* es am anderen Ende auch die Klebolds & Co geben.
      wenn ich eine Gesellschaft abuen will, in der es nur die 'Eloy' gibt und keine '*ehm wie heissen die bei H.G.Wells?*', dann folge ich Phantasiern, wie ich sie in Deutschland schon mal 1000 Jahre regieren sehen habe.

      Aber wir müssen langsam sehen dass wir
      a) geeignete Diskurse führen
      b) dass wir sie jenseits von Reflexen da führen, wo sich Menschen ihres Verstandes und ihrer Emotionen gleichermaßen kompetent bedienen
      c) wo nicht die die Diskurse bestimmen, die sich die Kanäle 'kaufen'.

      Ich hab gesehen, was hier passiert ist.

      An einem Tag eine Vervier+fachung des Traffics. Am näcjetn immerhin noch eine Verdopplung.
      Ähnliche Effekte gab es im Umfeld des Grundeinkommens.

      ***
      These: Netzwerke aus Blogs *können* Diskurs- und Informationsplattformen bilden und menschen, dei sich Informationen ebschaffen wollen mit Ggelegenheiten zu Information und Diskurs versorgen.

      Und das deutlich mobiler und realitätsnäher als aktuelle Massenmedien.

      Already working on it.
      Anyone wanna join in?

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    2. Netzwerke zu Plattformen? Du meinst als eine Art Frontend der Diskurse?
      Mir scheint das im Web schon gut zu laufen, so dass mich eher die Frage interessiert, wie man da rein kommt, wo Kanäle zu 'kaufen' sind. Mit Nachrichtenproduktion z.B. (wie Kreidlers Gema-Aktion), mit Enthüllung und eigener Recherche - oder am besten unter Ausnutzung der Bequemlichkeit der Redakteure - also ggf. einem eigenen Nachrichtendienst.
      Etwa Mitte Mai hab ich das Jahr im Kasten, dann bring ich mich gerne ein.

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    3. Ich glaube dass man solche 'News' hörbar machen kann, indem man Interessen-/Themengruppen mit Plattformen versieht.

      Die Themen erreichen dann "von selbst" Reichweite und werden 'newsworthy'.

      Sag dann 'ping', mal sehen wo wir im Mai sind ;)

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  2. Sag mal, das kann doch nicht euer ernst sein. Frauenhass und Männlichkeitswahn benennen doch nur das Phänomen, aber sind doch keine Erklärung, denn dann wären sie Tautologien, grad so, als ob ein Killer besser oder schlechter als der andere ist.

    kit

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    1. Ich wünschte ich könnte deinem Einwurf folgen. wenn ich Luise Pusch recht verstehe (ich kann sie gerne explizit bitten hier mitzudiskutieren) kritiosiert sie, dass Frauenhass und 'Männlichkeitserziehung' nicht als Ursachen von Winnenden diskutiert/benannt wird.

      "Erklären", hm, aber: "Phänomene benennen." Das hilft auch schon mal. Oder?

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  3. .. ich seh das mit dem Frauenhass genauso. Deshalb begrüße ich die recht neue Initiative "BOYS4PEACE", die nicht nur "gegen Gewalt" auftritt, sondern FÜR ein friedliches Männlichkeitsideal (-ideale, ... Konzept der "Männlichkeiten") ...

    Leonard Barkus

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  4. Das Konzept Männlichkeitswahn zeigt sich i.d. Pornographie mit diversen Gewaltinhalten, Computerspielen. Es geht um Macht über andere Menschen, insbesondere über Frauen. Jeder kann sich ein Bild darüber machen in der Sendung des WDR, 23.1o.2o1o, um 22.oo Uhr unter dem Thema "1oo Punkte für eine tote Frau." Die Zielgruppe sind überwiegend männl. Jugendliche. Daß auch Frauenhass den obigen Amoklauf bestimmte, kann ich gut nachvollziehen. Misogynie, Männlichkeitswahn, Männergewalt durchzieht den gesamten Zivilisationsprozess. Heute im Internetzeitalter bedienen sich die Programmierer und Computerhersteller d. Männlichkeitsbild und männliche Jugendliche in der Vielzahl haben Spass an virtueller Gewalt und Pornographie. "Inzwischen gibt es mehr Studien, die zum Ergebnis kommen, dass die häufige Nutzung von Computerspielen aggressives und gewaltbereites Denken und Handeln fördere und Muster zur Adaption von gezeigten Gewaltmustern führen kann."
    Man sollte sich auch Gedanken darüber machen, wieso viele Jugendliche von der virtuellen Gewalt, Pornographie fasziniert sind. Zur Vorbereitung auf den ersten Irak-Kriegs mussten sich die amerk. Soldaten mit Brutalo-Killer-Computerspielen beschäftigen. Gedacht als Training, um Gefühle, Mitleid, Empathie mit den Opfern auszuschließen. Bizarr und menschenverachtend sind Methoden, die Gewalt verherrlichen , siehe infragekommende Computerspiele.

    http://www.wdr.de/tv/frautv/sendungsbeitraege/2010/0923/thema_1.jsp

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  5. Das Konzept Männlichkeitswahn zeigt sich i.d. Pornographie mit diversen Gewaltinhalten, Computerspielen. Es geht um Macht über andere Menschen, insbesondere über Frauen. Jeder kann sich ein Bild darüber machen in der Sendung des WDR, 23.1o.2o1o, um 22.oo Uhr unter dem Thema "1oo Punkte für eine tote Frau." Die Zielgruppe sind überwiegend männl. Jugendliche. Daß auch Frauenhass den obigen Amoklauf bestimmte, kann ich gut nachvollziehen. Misogynie, Männlichkeitswahn, Männergewalt durchzieht den gesamten Zivilisationsprozess. Heute im Internetzeitalter bedienen sich die Programmierer und Computerhersteller d. Männlichkeitsbild und männliche Jugendliche in der Vielzahl haben Spass an virtueller Gewalt und Pornographie. "Inzwischen gibt es mehr Studien, die zum Ergebnis kommen, dass die häufige Nutzung von Computerspielen aggressives und gewaltbereites Denken und Handeln fördere und Muster zur Adaption von gezeigten Gewaltmustern führen kann."
    Man sollte sich auch Gedanken darüber machen, wieso viele Jugendliche von der virtuellen Gewalt, Pornographie fasziniert sind. Zur Vorbereitung auf den ersten Irak-Kriegs mussten sich die amerk. Soldaten mit Brutalo-Killer-Computerspielen beschäftigen. Gedacht als Training, um Gefühle, Mitleid, Empathie mit den Opfern auszuschließen. Bizarr und menschenverachtend sind Methoden, die Gewalt verherrlichen , siehe infragekommende Computerspiele.

    http://www.wdr.de/tv/frautv/sendungsbeitraege/2010/0923/thema_1.jsp

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