29.11.2009

Exciting Commerce: Unwort des Jahres: Social Media

Social Networks verändern die (Medien-)Welt. Doch indem der Netzwerk-Begriff durch den zwar sehr griffigen, aber in diesem Zusammenhang komplett unsinnigen Medienbegriff ersetzt wird, möchte uns die Medien-, PR- und Marketingindustrie vorgaukeln, dass man im Netzwerkkontext mit der klassischen Mediendenke (= Aufbau und Monetarisierung von Reichweite) weiterkäme.

Nichts widerspräche dem Netzwerkgedanken mehr, wie wir spätestens seit dem Cluetrain-Manifest wissen sollten. Netzwerke sind keine Fortführung, sondern eine Alternative zu traditionellen Medienstrukturen.


Exciting Commerce: Unwort des Jahres: Social Media

Obiges ist der Grund, warum ich bevorzugt weder von Web 2.0 noch von SM rede sondern vom 'Social Web'.

SM sehe ich in der tat wie Kommentator q-Bee:

Social Media steht ursprünglich nicht für Social Networks, sondern für Sites, auf denen Nutzer primär eigene Inhalte produzieren, also besonders Blogs und Sites à la Flickr und YouTube.
Der Begriff ist eher politisch zu verstehen, da es quasi um die "Vergesellschaftung" von vormals zentral kontrollierten Massenmedien geht.


Insofern ist es an uns, die Dinge so zu nennen, wie sie sich verhalten.
Jede 'Komponente' des SW hat seinen eigenen Namen (und seine eigene Logik und Kultur) und idR ist wenig gewonnen, wenn man FB und delicious in eine Tonne wirft.

Wenn mein Fieber abgeklungen ist, mach ich mir gern nochmal dezidiertere Gedanke dazu und freue mich vorab schon auf Feedback in den Kommentaren.


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Kommentare:

  1. Stimme Dir zu...

    Daher meine Einteilung
    SocialWeb = Enablement Technologie
    Social Media = Sparte des Marketings
    Web 2.0 = Oberbegriff und Interaktionsenabler
    Enterprise 2.0 = Selbiges im Firmenumfeld
    Social Computing = Oberbegriff zu allem was 2.0ig enabled wurde

    Irgendwie sollte man da mal eine Taxonomy bauen #GuteIdee ...

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    1. Nun, ich würde Bürgerjournalismus durchaus zu 'SM' rechnen.

      Ggf. wäre (im Sinne des Cluetrain, das Jochen ja anspricht) korrekrter zu sagen:

      'Social Para-Media', d.h. "kollaborative, crowdgesourcte und durch Vernetzung gefilterte Knaäle, dei alten medien zwar ähnerln, aber anderen Gesetzen gehorchen"

      Andere Gesetze:
      - Gatekeeping (-=minus)
      - "Neojournalistisch" (aber sehr wohl
      + historischklassischsjournalistisch
      )(der Journalismus begann ja 'doppelt' als 'Nachrichtendienst' entlang der POststationen zu wirtschaftlkichen Zwecken (sozusagen 'distibute corportae intelligence: wo ist grade Post, Krieg etc) und dann als 'entertainment', jeweils mit dem 'Unterton', dass sich hier das Bürgertum gegenüber den (faktischen) Informationstransportmonopolen des Adels eigene Kanäle schuf.

      In DIESEM Sinne sind SM emazipatorisch. Dass sie jetzt von 'corporates' appropriiert werden' ist das eine, dass unter spocial media auch Vermnetzungsformen gefasst werden, die eben NICHT alte (Massen-)Medienkanäle substituieren (= z.B. Social Networking), das ist ein terminologisches Problem.

      Zu Web 2.0 hab ich noch eine Präse rumliegen, die belegnt, dass das ein begriff ist, der keiner ist. Es ist ein reiner Marketingterm, dessen Referenzbereich unklar ist.
      ALLES an Web 2.0 hat einen eigene Namen, der von web 2.0 verschieden ist.

      E 2.0 ist auch 'nur' griffig und hat nicht BESONDERS viel mit W 2.0 zu tun, ausser bestimmten athropologischen, informationslogischen und technischgen Grundlagen. (Es wäre dei Behazuptung eine Haussmitteilung einer Firma gehorche den selben "(KOmmunikations-)Gesetzen" wie ein privatbrief, in dem sich ein KInd bei Oma für die weihnachtsgeschenke bedankt. (was auf der tiefsten ebene korrekt ist, auf allen anderen nicht)

      Lange sprach man ja auch von 'Social Software', bis man erkannte, dass de Software der marginalste Faktor ist ;) (Wenn jemand Probs (oder Erfolg) mit Blogs hat, liegt es ja idR nicht an der Software.)

      Social Computing könnte in der Tat ein Überbegriff für
      Social (Public) Web und E 2.0 und G2.0 sein (Government 2.0 gehorcht wieder GANZ anderen Logiken als E2.0 und W2.0).

      Ganz anders gesasgt:
      * es ist KOmmunikation recht genau zu durchleuchten (wer sagt was zu wem mit welchen Mitteln zu welchem Zweck)
      * Es ist genau zu untersuchen welche Rolle (1:many-Massen)Medien historisch sowohl im bereich des Bürgerturm als auch im Bereich der Wirtschaft(skommunikation) spielen

      DANN können wir uns langsam den Mist-Verständnissen nähern dei atuell (nicht nur terminologisch) vorherrschen.

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  2. Ich finde nicht, dass das Wort Schuld hat.
    Das Umdenken von one-way- zu vernetzer Kommunikation ist problematisch; egal, welcher Begriff für die vernetzte Kommunikation benutzt wird.
    Mein Verständnis: Social Media sind alle Medien, die es ermöglichen (und sehr einfach machen), vernetzt zu kommunizieren. Das ist mehr als Web 2.0, denn auch von Nutzern generierte Inhalte wären nicht social, wenn nicht andere in dem selben Medium darauf reagieren könnten.
    Zu Social Media gehören demnach die Kommentarfunktion, wikis, blogs, twitter und soziale Netzwerke, sowie location based services, wenn sie social Elemente haben. Der Begriff Social Media ist m.E. sehr treffend für die Medien, die genau das ermöglichen.
    Dass das häufig nicht verstanden wird, liegt nicht am Wort, sondern daran, dass das Umdenken schwer fällt.
    "Social Web" ist imho nicht klarer, außerdem grenzt es unzulässig ein: Social Media ist nicht aufs Web begrenzt. Auch Print zeigt social media Ansätze, wenn z.B. Zeitungen Leserbriefe abdrucken. Und mobile services (Anwendungen für Mobiltelefone, ist technisch zwar auch web aber eigene Kategorie wg. spezifischer Nutzungssituation) haben auch zunehmend social Elemente.
    Somit ist Social Media der Begriff für 'social DNA' in Medien - also: kann ich mit diesem Medium vernetzt kommunizieren? - und damit genau richtig.

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    1. Also das Problem ist vielfältig.

      Klassische Massenmedien haben an sich IMMER den Aspekt des Gatekeepings (auch und VOR ALLEM beim Leserbrief, Du würdest dich wundern, was man da so alles kriegt und NICHT drucken KANN...)

      Dieses Gatekeeping fällt (so würde ich es verstehen wollen) bei SM/SW web. (es wird durch soziale Mechanismen ersetzt wie RT, Backlink, Trackback etc.)

      Insofern sind SM eben keien mass (1:many) medien sondernb social (many:many) Medien.

      Wenn ich Jochen recht verstehe, dann stört ihn vor allem das Konzept, dass man es 'socila media' nennt und DANN denkt, man könne dort so agieren, wie man bei klass. Medien agiert (banner, paid placement, PR whatever).

      MIr würde ja soagrt 'social (inter)net' besser gefallen.

      Social Netwokrs hingegen werden zwar aktuell immer 'miedienartiger' indem sie benutzt werden um 'news' zu verbreiten, ich denke aber dass das ein featureist und nicht deren Kern.

      Ich denke eben: die kommunkationslogische und kommunikationssoziologische Realität ist deutlich komplexer als die aktuell benutzen Begrifflichkeiten.

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  3. Trackback: Social comments and analytics for this post
    This post was mentioned on Twitter by dominanz: Exciting Commerce: Unwort des Jahres: Social Media - Oliver Gassner: Obiges ist der Grund, warum ich bevorzugt wede... http://bit.ly/4WFlhU

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  4. Trackback: Warum 'Web 2.0' ein doofer Begriff ist
    Diese Präsentation ist vom Sommer 2006 (für den Webmontag Karlsruhe) und an sich hat sich da wenig geändert: Warum 'Web 2.0' ein doofer Begriff ist. (Das ist übrigens html+javascript +css = 5S = Simple Standard Slide Show System und läuft auch nach

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