19.11.2010

Facebook-Aktion von Björn Eichstädt: " Ungewollt verpixelt"

Björn schreibt:

Als ich gestern morgen voller Vorfreude Google Streetview öffnete und zu meinem (Miets-)Haus navigierte, bekam ich einen Schreck. Verpixelt! Nachdem eine Umfrage in der Hausgemeinschaft (alle sehr digital) schnell zu dem Ergebnis kam, dass keiner AUS dem Haus die Verpixelung beantragt hat, blieben nur die Vermieter (von denen es immer noch kein Feedback gibt). Mehrere Gründe ließen mich nicht ruhen:

Die Tatsache, dass laut Google keine Rücknahme der Verpixelung möglich ist
Dass hier offenbar über den Kopf der Mieter etwas entschieden wurde, das aus Sicht vieler eine Einschränkung der "digitalen" Lebensqualität bedeutet
Dass man das nicht einfach so hinnehmen könne (eine Mail an die Vermieter folgte)
Ich wollte daraufhin schauen, inwieweit es sich hier um einen Einzelfall handelt (die ungewollte Verpixelung, nicht die gewollte, die ja bereits von anderen Verpixelungsgegnern ins Visier genommen wurde) und gründete eine Gruppe "Ungewollt verpixelt" bei Facebook auf die ich dann via Twitter und Facebook hinwies:

http://www.facebook.com/pages/Ungewollt-verpixelt/165578480142829

Über Nacht sind doch immerhin 230 Fans zusammengekommen (wenn Sie diese Mail erhalten vermutlich mehr), die teilweise auch offen ihr Leid klagen. Dabei stellte sich heraus, dass der Mieterfall zwar einer der Fälle ist, dass es aber auch andere ungewollt verpixelte Personen gibt:

Mieter, in deren Haus nur eine Person die Verpixelung beantragt hat
Hausbesitzer, die in ihrem Haus alleine wohnen und die offensichtlich keine Verpixelung beantragt haben und trotzdem verpixelt wurden
Hausbesitzer, deren Mieter eine Verpixelung beantragt haben und die selbst empört über die Verpixelung sind
Diese Fälle zeigen ganz offensichtlich eine andere Seite der Medaille der Verpixelungsdebatte in Deutschland. Es gibt Menschen, die verpixelt wurden und das als eine Einschränkung ihrer digitalen Freiheit / Ausdrucksform sehen und das so nicht hinnehmen wollen. Und es stellen sich Fragen nach der Sinnhaftigkeit mancher Ansätze im Antragsverfahren und nach definitiven Falschverpixelungen. Wichtig ist: Meine / Unsere Intention richtet sich explizit nicht gegen Google – das Projekt Streetview ist toll, ich selbst habe meinen letzten Aufenthalt in Tokio komplett über das Tool geplant und war seither begeistert. Vielmehr sind viele Fragen offen, was das weitere Vorgehen angeht:

Wie als Mieter mit einem verpixelten Haus umgehen, das der Vermieter verpixeln lassen hat: ausziehen? Mietminderung beantragen? Einfach so ertragen? Aufklärung leisten? Wie als Mieter umgehen, wenn man als Mieter eine Firma ist, die sich im digitalen Umfeld bewegt?
Wie mit Google umgehen, wenn offensichtlich als Hausbesitzer und Bewohner NICHT ein Antrag auf Verpixelung gestellt wurde? Und die möglicherweise durch die Verknüpfung mit digitalen Immobiliendiensten künftig Nachteile in der Vermittelbarkeit ihrer Häuser erleiden.
Wie in der gesellschaftlichen Debatte über das Thema vorankommen, selbst wenn jetzt ein paar Dinge in den digitalen Verpixelungsbrunnen gefallen sind?
Ich hoffe, dass sich im Rahmen der Diskussion in der oben genannten Facebook-Gruppe ein paar Antworten ergeben. Und ich freue mich über eine rege Debatte.

Herzliche Grüße
Björn Eichstädt

FB Page:
Facebook | Ungewollt verpixelt

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