17.11.2010

Vier Tage ohne Smartphone, Erfahrungsbericht über einen unfreiwilligen Selbstversuch

Wie aufgefallen sein dürfte war ich vier Tage ohne Handy.
Davon war ich zwei Tage unterwegs.
Das war unangenehm.
Ich skizziere mal wies war und wie ich was gelöst hatte.

(Was vorher war ist oben in dem Posting nachzulesen.)

Donnerstag morgen, 6 Uhr.

Ich steige am Flughafen Hannover aus dem Taxi und sammle meine Dinge zusammen.
Mal sehen was der Boarding-Pass auf meinem Handy sagt wo ich jetzt hin muss. Ich muss ja auch noch mein Gepäck aufgeben. Handy? Weg. Such. Ich bitte den Taxifahrer beim Hotel anzurufen, muss aber auch schon los, wegen Gepäck. ich hab das erste Mal mobil eingecheckt (ich fliege nicht so oft und habe erst sein Januar ein Android).

Am Schalter von Germanwings geht alles glatt und ich bekomme einen handgeschriebenen (!) Boarding Pass. Auf dem weg zum Gate komme ich an einem Münztelefon vorbei. Etwas Kleingeld habe ich noch. 11881: Radisson Blu in Hannover bitte. Bitte verbinden Sie mich. Das Verbinden kosten 50 Cent und es sind grad noch 40 Cent drin. Eineinhalb Sätze kriege ich raus, dann ist die Leitung unterbrochen. ich muss boarden, der Flug geht um 6:45.

Eine der Gepäck-Damen steht auch am Gate und erklärt der Kollegin, dass mein hangeschriebener Boardingpass so OK ist.

7:30

Während ich in Stuttgart auf mein Gepäck warte, versuche ich mit dem Laptop online zu kommen, das Gepäck kommt bald, ich laufe mit aufgeklapptem Netbook und Gepäck raus.

An sich bin ich mit M. hier zum frühstück verabredet. Aber ohne Location etc. Ich versuche ihn anzutwittern. Ah, er ist in Skype - und zu Hause.
Ich bitte ihn
- beim Hotel anzurufen und zu bitten mein Handy nach Hause zu senden, wo ich Freitag Nacht oder Samstag morgen ja wieder bin
- meine Frau anzurufen und ihr zu sagen, dass ich ohne Handy bin und mich per Mail melde
- mir zu sagen wie ich jetzt mit ÖPNV zum Römerkastell komme, wo ich den ganzen Tag auf der Create 10 bin. er gibt es mir durch (Webseiten baut mein UMTS im Flughafen nämlich keine auf) und ich wetze mit offenem Netbook und Gepäck zur Bahn, halt, nochmal ein Stockwerk hoch wegen Ticket... drin.

In der Bahn twittere ich meien Übernachtungs-Gastgeberin an und informiere sie über meine Handysituation. Eventuell wollten wir uns abends treffen. Sie sagt mir per Twitter (Web tut jetzt), wann sie auf jeden Fall zu hause ist, die Adresse merke ich mir mit einer Eselsbrücke in die ABBA involviert ist.

Beim DMMK/Create 10 hangle ich mich von Steckdose zu Steckdose und informiere den Kollegen, der mit mit das #2ccamp organisiert per Mail über meine Situation und sage zu rechtzeitig da zu sein. Zwischendurch wechsle ich Mail mit meiner Frau zu Handyverbleib, Koordination der Rückreise (sonst ruf ich immer an wenn der Bus ankommt) und Posteingang im Büro.

Nach dem Startevent des 2ccamp fährt mich ein netter Camper an meine Zieladresse. ÖPNV-Gehangle entfällt (wäre aber einfach gewesen, keine Busse involviert, wie ich am nächsten Morgen lerne).

Als Wecker lieh ich mir das Zweithandy der Gastgeberin. Einen Wecker in anderer Form hatte sie auch nicht im Haus.

Der Camptag geht problemlos vorbei, Laptop reicht, ein Handy braucht man da nicht.
Am Abend bringt mich M. zum Zug und mir fällt ein, dass zusätzlich zu den am Mogren recherchieren Verbindungen ja auch um 18:11 einer fährt. Fährt er nicht, 18:18 und ich hab sogar Zet mir was zu essen zu besorgen für eine dreistündige Zugfahrt.

Während des Tages hab ich drauf geachtet, dass ich Kleingeld übrig habe und kann nach der Zugfahrt die Frau vom Münztelefon anrufen (es gibt sie noch). Ich müsste sonst ein Taxi nehmen (hätt ich gemacht) oder 3h auf den Bus warten. Friday night?

Samstag und Sonntag gingen ereignislos an mir vorbei, lediglich die Kids vermissten die 'Angry Birds'. Ich überlegte, ob ich die Handynummer umleiten lassen sollte. Beschloss aber, es einfach zu riskieren, denn Anrufe wären ja eh nur am Donnerstag und Freitag gekommen. Wer mit mir zu tun hat, weiß eh, dass Twitter und Mail besser funktionieren als anrufen.

Was mir auffiel: Ich kriegte mehr Schlaf, da ich weder morgens Mail las noch abends im Bett was daddelte. Anstatt Tasks ins Handy einzugeben notierte ich sie in der Zeit auf der Rückseite von Visitenkarten.

Fazit:
Natürlich ist es ein Problem, ohne Handy bzw. Smartphone auszukommen, wenn man sich bestimmte Verhaltensweisen angewöhnt hat, wie das kurzfristige Recherchieren von Telefonnummern, Zugabfahrtszeiten oder ÖPNV-Routen oder wenn sich bestimmte dinge eingeschliffen haben wie 'Wenn der Zug losfährt ruf ich Dich an und sag, wann ich da bin.' oder 'Wir treffen uns am Flughafen um halb acht zum Frühstück.' Aber: es bliebt machbar.

Ach ja, in der Zeit hatte ich zwei Anrufe. Ich sag doch immer: 'Ich hab mein Handy schließlich nicht zum telefonieren.'

PS: Bei O2 hab ich noch einen Vertrag, mit dem ich für 25 EUR einmalig eine Dual-SIM bekomme, die ich auch in Stick oder Laptop stopfen kann. Wenn ich dann den alten Treo 650 mitnehme wäre ich immer auch telefoniefähig.

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