07.07.2010

Märkte, Gespräche, Elefanten, Brandeins und der Cluetrain

Eine Journalistin hat mich vor ein paar Tagen für den SAZ-Letter interviewt. Ich hebe mal die Passagen wieder, die ohnehin auf dem beruhen, was ich erzählt habe ;)

Mein 'Stichwort' war das von den '90% Müll' die angeblich bei Facebook oder Twitter wuchern.

„Es ist normal, dass eine Bibliothek nicht über mehr als zehn Prozent Bücher verfügt, die Sie wirklich lesen wollen“, kommentiert Oliver Gassner, offizieller Xing-Trainer und Web-Kommunikations-Experte der Social-Web-Beratung Carpe.com in Vaihingen. Auf ausnahmslos jedem Kanal würden 90 Prozent informationeller Müll produziert. „Es liegt in der Verantwortlichkeit des Nutzers, was er liest, wem er folgt und mit wem er netzwerkt“, betont Gassner. Insofern sei der TKP tot, zumindest im Dunstkreis sozialer Netzwerke. Die traditionelle Mediawährung verstehe es nicht, Mundpropaganda zu messen. Das gelinge nur, wenn man die Intensität von Gesprächen im Web analysiere und berücksichtige, dass sich die Zielgruppe selbst selektiere. „Unternehmen müssen nicht mehr so viel Rauschen — Streuverluste — erzeugen, sondern individuelle Werbung und damit Empfehlungen“, rät Gassner apropos Web-Strategie.

(...)
Wichtig sei es jedoch, dass Unternehmen auch in Krisenfällen reagierten. Als das Fruchtsaftgetränk Capri Sun in den USA negative Kommentare in der Blogosphäre erhielt — ein Nutzer hatte in einem defekten Getränkebeutel einen Pilz entdeckt — wies der Anbieter von Capri Sun darauf hin, dass verletzte Packungen weggeschmissen werden müssen. So konnte er ein weiteres Hochkochen der Meldung verhindern.

(...) Gassner sieht jedoch praktikable Ansatzpunkte für Experimente an den Schnittstellen von Social-Plattformen und eigenen Blogs oder Katalogen. Wer hier an Monetarisierungskonzepten bzw. Zielgruppenzuflüssen für seine Sales arbeite, müsse mit gesundem Menschenverstand vorgehen und die „Nettikette“, also die Gepflogenheiten und Höflichkeitsformen des Web, beachten. „Das kollektive Gedächtnis von Communities ist wie das eines Elefanten: extrem merkfähig.“ Darum sind Fehler verpönt und nur schwer wieder auszuwetzen. Aus Gassners Sicht besteht die einzige Lösung darin, kommunikationswilligen Nutzern — egal ob Fans oder Kritikern — im selben Kanal zu antworten. „Es ist notwendig, dort zu sein, wo die Gespräche stattfinden“, betont der Social-Web-Experte in Anlehnung an das honorige, internetbezogene Cluetrain-Manifest aus dem Jahr 1999.


Genau um das CT-Manifest dreht sich auch das Gangbang-Interview, das Luebue, Michael Domsalla, andere und ich (accidentally: am Towel Day, 25.5.) bei der Brandeins gegeben haben und das im 7/2010 Heft vertreten ist:
SCHWERPUNKT: Beziehungswirtschaft
, "Die Guten sind immer die Ersten" (Link folgt sobald das online ist.)

Comments?


SAZ-Letter 07/2010 (3) - MEDIA

Meine Fucamp-Session "Entspannung" - links for 2010-07-07


RSS und ich und warum es alles andere ist als tot

Robert berichtet in Google Buzz, das neue RSS-System übver seinen Umgang mit RSS und was es ersetzt.

meine KOmmentare dort dazu auch hier:


Ich nutze Feedreader seit Jahren als Themencluster. D.h. so wie Martin Kosersortiere ich die Feeds thematisch so dass ich WENN ich recherchieren will, aktuelles Material vor mir habe.
Die Anzahl der Blogs oder Podcasts die ich ‘lese/sehe/höre ist minimal im Vergelich.
ich gebe mich allerdings auch nicht der Illusion hin, mein Feedreader sei eine Mailinbox, die abzuarbeiten wäre.
“Leerlesen” habe ich schon 1992 im Usenet aufgegeben ;)

“Leerlesen” tue ich nur die Feeds von Kundenblogs, die ich begleite, und wenn es 10köpfige Redaktionen sind, die da täglich was schreiben, dann gehe ich da auch nur quer drüber und picke mit Positiv-Beispiele bzw. problematische Taktiken raus und sehe mir das genauer an.

Aktuelle Infos ziehe ich aus Twitter, Twitter Digests (RivvaSocial, paper.li & Verwandtes), Buzz, Rivva und andere Aggregatoren.

ABER:

Natürlich beruht das alles auf Feeds und RSS/POubHubSubbub etc.pp., gell? ;)

Insofern ist die Aussage, RSS sei irgendwie tot genau umzudrehen:

RSS ist die Basis aufgrund dessen alles "tut".

Man könnte genauso sagen dass es wegen wisiwyg in Wordpress kein HTML mehr "gibt" oder wegen Handys kein TCP/IP mehr.

Bloß weil man es nicht sieht ist es nicht ‘tot’. ;)
(Ist seit Jahren meine Rede, dass RSS insofern “irrelevant” ist (ob Leute es kennen und nutzen z.-B.) als es seine Aufgabe ist, irgendwann so unsichtbar zu werden wie HTML und TCP/IP.)

(Ergänzend zum kommentar dort.)

Aber in der Tat sind eventuell Feedreader tot. ich hab in den ersten Monaten meiner Twitternutzung (Dez-März 1006/2007) auch kaum in meinem Feedreader gesehen, weil alles was dort wichtig war auch wie Gezwitscher kam.
Eventuell ist auch das der Grund, warum 'unzweinullige Menschen' Twitter nicht verstehen ODER als Nachrichtenkanal (=RSS-READER-Ersatz) nutzen.