28.06.2012

Online als Pflicht? Offline als Verbrechen?

Als Reaktion auf
Offliner ? sie sind unter uns und gar nicht wenige! dort folgender Kommentar, der auch hier gut passt.

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Ich hab da verschiedene Phasen durchgemacht.
Die, in der ich dachte, das jede/r online müsste.

Inzwischen bin ich da entspannter.

Ein paar eher unsortierte Gedanken.

Aktuell lebe ich wieder in einem Umfeld, in dem sehr sehr viele das Netz komplett anders nutzen als ich. Die bestellen sich zwar Spezial-Fahrräder aus Schottland oder Smartphones aus obskuren Quellen, die dann doch nicht liefern. Nutzen aber das Netz sonst nur beruflich und beim googlen findest du ihren namen ausschließlich auf der Firmenpage.
(Sportvereine sind da super, alle sportlichen Menschen findest du unweigerlich wieder im Netz.
Ich hab auch vor ein paar Jahren im team 130+ Leute eines Abijahrgangs recherchiert. alle bis auf einen haben wir gefunden, zum Teil mit tricks und oft auch offline.
Einer hatte nur Telefon und keinen Rechner. ich hab ihn gefunden. (Logisch, steht ja im Telefonbuch, das eines der besten Recherchetools war - natürlich das online.)
Viele der Jahrgansleute - gerade Frauen - nutzten die Mailadresse ihres Mannes oder gemeinsame Adressen. (Das kommt mir jetzt seltsamer vor, als wenn man alles zu Facebook schreibt.)
Andere haben Privatadressen, lesen bzw. beantworten aber nur die geschäftliche, auf denen man ihnen keinesfalls was mailen darf.

Hier im Dorf schickste ne Mail und kriegst die Antwort, wenn man sich sieht. Oder per Anruf.

Ich glaube in D ist das "was sollen die Nachbarn denken" ausgeprägter als der Drang zur halböffentlichen Bebatte.

Wenn ich einen Artikel zu Wulff kommentiere und das Link zum Kommentar via "disqus" bei Facebook oder Twitter landet, dann denkt der Schottland-Fahrradbesteler, ICH hätte den Artikel geschrieben (der war aber von Nico Lumma). Und spricht mich beim nächsten Stammtisch drauf an.

Das ist eine Kulturfertigkeit, dieser Buchstabenwust hier zu verstehen (erinnert euch bitte an euren ersten Chat mit 20 Personen ... oder geht, wenn ihr das nicht kennt ins IRC auf einen vollen Kanal.)

Das Netz ist schwerer zu verstehen, als wir denken. Wir sind damit gewachsen. Was wir uns an Fertigkeiten en passant angeeignet haben ist IMMENS. Für Normalos und Gelegenheitsnutzer bliebt es eine riesige gefährliche terra Incognita - und die Printpresse (auch ein lustiges Wort) ist natürlich rattenscharf darauf, dass das noch ne Weile so bleibt.
Die CDU nutzt jetzt Liquid Feedback, heißt es. aber viele Politiker haben vor nichts mehr angst als vorm informierten Bürger - der könnte nämch den Inhalt der Sitzungsvorlage kennen, die man selbst nicht durcharbeiten konnte.

Andererseits kannste auch hier im Dorf und zu 90% online Initiativen lostreten, die 'real' und 'crowdsourced' dann wirklich was verändern, so dass vier neue Buslinien entstehen.

Ältere Leute behaupten manchmal, das nicht mehr Lernen zu können. andere stürzen sich massiv da rein und werden zum 'Crack'. ich denke es wäre für ALLE ein Werkzeug zur vermehrten teilhabe an der Gesellschaft - auf allen Ebenen: von persönlichen zu politischen und globalen.

Man müsste das aber wollen. Auf allen Seiten.


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