05.08.2009

Bloggen und Networken

Im Umfeld meines Postings zum neuen Blog von Thorsten Hahn (Blockcheck: 77 Irrtuemer des Networking) entstand die Idee zu untersuchen, inwiefern Bloggen und Networken Ähnlichkeiten aufweisen.

Dazu gilt es natürlich erstmal zu klären, was ich unter Networken verstehe.

Meine Versuche mir bei der Wikipedia auf deutsch oder englisch eine Definition zu besorgen schlugen fehl, nicht weil es keine gäbe sondern weil mir das, was ich da fand, kaum zusagte.

Zu sehr war das dort entweder auf feste Strukturen (ähnlich BNI, Rotary etc.) ausgerichtet oder auf (wenn auch positiv verstandene) "Vetternwirtschaft".

Unter Networking verstehe ich eher, was mir als "Kind vom Land" ohnehin geläufig ist, und was ich im Netz immer wieder erfahren habe: Man kennt sich und man hilft einander - ohne ständig aufzurechnen oder Erwartungen zu hegen.

Ein Netz-Bild dafür ist das, was man früher 'Webring' nannte und was bei Blogs zur 'Blogroll' wurde: Eien menge an 'gleichgesinnten' -meist themenähnlichen- Websites schlossen sich zu einem Webring zusammen, der Besucher kam vom einen Site und wurde zu einem anderen weitergereicht. das war damals nötig, weil es keine wirklich funktionierenden Suchmaschinen gab.
Also weniger: 'eine Hand wäscht die andere' sondern eher: 'jede Hand wäscht die nächste".

Im Usenet war es ähnlich: Jeder warf sein Wissen mit auf den großen Haufen, manche nahmen es auf sich Nodes zu pflegen oder FAQs zu sammeln (2 davon hab ich glaub ich auch initiiert) oder die Selbstverwaltung der Admins zu organisieren. Ähnlich lief es in Mailinglisten; jeder gab und nahm aus der "offenen" Gruppe. wer am meisten gab, hatte die beste Reputation und konnte, wenn es Probleme gab, auch auf Unterstützung rechnen.

Aus den genannten suchmaschinenproblemen etablierten sich auch in Blogs die Links auf andere: In Beiträgen und in der Blogroll. ein 'Ich hab dich in der Blogroll, jetzt musst du auch' galt immer schon als verpönt und die Linktauschgesuche der SEOs stoßen bei mir allein deswegen sauer auf , weil sie nur geben wollen, wenn sie Gleichwertiges auch bekommen.

Blogger geben: Arbeit, Inhalte und Links. Sie bekommen auch: Empfehlungen, Links, Hilfe, Aufmerksamkeit und manchmal sogar Aufträge - aber eben oft nicht von denen, denen sie auch die Links "schenken".

Damit das mit dem geben aber funktioniert, sollte man in seinem Blog (und auf seinem Twitterkanal) auch nicht immer nur von sch erzählen. wer auf einer Party nur sich selbst als Thema kennt, wird irgendwann unbeliebt. Zuhören können, loben lernen, verlinken und verweisen, das ist es, was Blogs ausmacht.

Man schaue sich die 'großen' Blogs an. sie tun genau das. Dabei auf leute mit gegensäzlicer Meinung zu verlinken, gehört zum Restanstand, den man haben sollte. sicher verlinke ich auch nicht auf Firmen, von denen ich nur abraten kann, auf Leute die mich anspammen und ähnliches. aber die Blogger, die jegliche gegnerische Äußerung nur mit einer unverlinkten URL oder gar nur in Andeutungen referenzieren, dei überschätzen meiner Meinung nach ihre eigene Wichtigkeit und deklarieren jegliche symmetrische Kommunikation für unmöglich.

Ohne dass ich dafür esoterisch werden müsste glaube ich, dass der 'bloggige Weg' eine gute Basis für Networking ist - übrigens ein Networking, dass sich auch und gerade in der persönlichen Begegnung dann manifestiert, weswegen Tweetups, Twittwoche, Twittische, Bloggertreffen, Pl0gbars und Barcamps sich zurecht großer Beliebtheit erfreuen.

Das "großzügige Geben ohne Erwartungshaltung", das, wenn ich recht verstehe Thorsten Hahn propagiert, ist nichts anderes als das, was Blogger tun - weil sie davon auf verschedenste Weise profiteren, sei es direkt oder eben indirekt.

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