19.09.2010

Generation YouTube: Der Digital Native als Mangelwesen

Das Folgende soll meine Gedanken aus "Warum es keine Digital Natives gibt" etwas fortführen, deren Hauptargeumt war, dass dem DN diverse Eigenschaften/Kompetenzen zugeschrieben werden, auf die man nicht rechnen kann.

Es soll allerdings auch eher wieder skizzenhaft geschehen, indem es Digital Residents, Digital Immigrants und Digital Natives kurz vergleicht.

Der Digital Resident ist schon länger 'hier'. Er hat vielleicht in der Mailboxszene angefangen oder im BITNET, hat vielleicht mit einem ZX81 rumrprogrammiert oder einem programmierbaren Taschenrechner oder zumindest einem VC20 oder C64. Er hat einfach immer nur 'mitgelernt' was es im Netz so Neues gab. Er hat sich das erste legale Modem gekauft und war mit 2400 Baud im Netz unterwegs, hat auch mal im IRC oder Usenet vorbeigesehen und schrieb die ersten Webseiten im Texteditor.
Netzkultur und Netikette und das Netz als Kulturraum sind sein Alltag. Seit 10+ Jahren.

Der Digital Immigrant kam irgendwann in den 90er Jahren ins Web, weniger ins Netz, - oder auch erst 2003. Von Usenet und IRC hat er schon gehört, eventuell auch vorbeigeschaut, aber es war nicht seine Welt. Ins Netz hat er sich einarbeiten müssen, weil es von Anfang an so viel Neues war. Er kauft bei Ebay und Amazon und hilft anderen auch schon mal weiter. Up to date zu blieben ist immer noch Arbeit für ihn. Dem Digital Resident seht er mit manchmal irritierter Bewunderung oder gar Abscheu gegenüber: Wie kann man so viel in diesem Netz machen.

Der Digital Native kennt gar keine Welt ohne Netz oder Handy. Seine Digitalwelt ist ohne Geschichte, Netscape und Stonehenge, AOL und die untergegangene Mayazivilisation - das ist alles Geschichte. Er benutzt einige wenige Tools, vor allem Chat und seine Lieblingsforen, Filmseiten (incl. Youtube) und ein paar Social Networks. Sie sind nur dann interessant wenn seine Peers oder seine Lieblingsband sie nutzen. HTML und CSS sind für ihn Fremdworte wie TCP/IP oder RSS. Der Digital Native 'surft' ohne Geschichts- und Problembewusstsein (jenseits der eigenen Digitalreputation, die er als Problem aber auch erst nach dem 15. Lebensjahr entdeckt) auf der Oberfläche der Technologie. Er weiß nicht, was für den Digital Immigrant das Problem ist, es ist doch alles ganz einfach. Und den Digital Resident nimmt er eher wahr wie die alten Männer in der Dorfkneipe beim Frühschoppen: Man hat nichts zu reden.

Während also sowohl der Resident als auch der Immigrant ein 'Selbstbewusstsein' haben und die Technologie und ihre Geschichte und Komplexität, ihre soziale Relevanz sehen, geht diese Perspektive dem Digital Native (sofern er eben nicht wie ein Resident oder Immigrant agiert, was 99% eben nicht tun; Ausnahmen bestätigen die Regel ;) ) ab.

Für den Digital Native (besser also: 'Digital-Naiven') ist das Netz nur eine ego-soziale Klickstrecke ohne Vergangenheit oder Zukunft.

Facebookdiskussion hier:
http://www.facebook.com/note.php?note_id=10150283575805078

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Update:
Wie weit die A-Historizität reicht sieht man hier sehr schön:


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