13.04.2011

Sascha Lobo: Neuste Erkenntnisse der Trollforschung #rp11

Nachdem wir in der Kalkscheune diversen Vorlesungen aus Diplomvorarbeiten lauschen durften muss jetzt Sascha Lobo den Tag retten, indem er zwar auch wieder Forschungsergebnisse vorträgt, allerdings erwartbar auf amüsante Weise.

Auf Wunsch seiner Fans trägt er ihn pöbelnd vor. (Das st in den ersten Sätzen noch optimierbar.) Unterhalten will er uns auch nicht.

Die erste Folie enthält Vorwürfe an das Publikum. Wir hätte dabei versagt die digitale Gesellschaft zu predigen. Die Journalisten rufen immer ihn an wenn sie was erklärt haben wollen, sie müssten aber uns anrufen.

Folgendes semiwörtlich und lückenhaft.

"Zur Rente war ich erst vier mal im Fernsehen. Von Wikileaks bis Chatroulette hab ich alles erklärt was http davor hat. Für alles gibt es Experten und die meisten davon sind heute da. Aber ihr seid entweder zu doof oder zu leise um die Aufmerksamkeit der Medien zu erreichen. Aber die rufen mich an mit meiner dämlichen Frisur.
Bis vor kurzem gab es mehr aktive Kanufahrer in Deutschland als Twitterer. Und ihr versucht mit der Weltöffentlichkeit dort zureden. Auf Twitter.
Ihr redet immer zu den selben 2500 Deppen, die das selbe wissen wie ihr und ihr erreicht null Leute da draußen."

(Immerhin gibt er zu dass, er nur wiederwillig und erst seit 2005 (? twittert).)

Jetzt nimmt er die "Digitale Gesellschaft e.V." aufs Korn, die zu wenig PR machen.

Wieder sinngem. und lückenhaft wörtlich.

"Dass die immer mich fragen liegt nicht an meiner Güte sondern an eurer Schlechte. Wir brauchen eine tolerante offensive Herangehensweise. Es geht nicht darum die paar Leute um euch zu scharen, die das selbe denken wie ihr um dann alle anderen doof zu finden.

Es gab erst ein Beispiel von bürgerdemokratischer Netzinitiative - gegen die Netzsperren, "Und ich bin der Meinung dass das Zufall war. Das passierte über den Tagesspiegel, nicht aus dem Netz.

Wir - ich sage ungern wir, denn ich hab mit euch nix zu tun - haben bisher immer nur reagiert, aber kein Konzept für eine Offensive vorgelegt."

Jetzt zur Trolltheorie.

Definition "Soziale Störkommunkation"

Basis: 344 Trollkommentare aus versch. Foren und 200 Nichttrollkommentare.

Mythos 1: Der Troll will provozieren.
"Es fing damit an, dass er zurückgeschlagen hat."
Der Troll fühlt sich -aus idiotischen Gründen- provoziert und will reagieren.
Dies ermöglicht Gegenmaßnahmen.

2. Mythos: der Troll ist ich-fixiert.

1/71 Worten ist "ich" bei 'normaler' Kommunikation.
1/319 Worte ist "ich" bei Trolltexten

Der Troll versucht (erfolglos) ein virtuelles Wir aufzubauen.
Man kann ihn ausbremsen indem man das wir akzeptiert und ihm recht gibt.

Man kann das Internet als Ökosystem betrachten.

Andere Gegenmaßnahme: Fake.

Beispiel:
F. trollt in einem Grundeinkommen-Blog.
IP-Sperren versagen.
D.h. die 'Macher' selber treten nun als F. auf. (Da das ein Pseudonym war...)
D.h. der 'Parallelfriedrich' hatte exakt die genau gegensätzlichen Meinungen zum Trollfriedrich.
Das Sockenpuppenspiel: Zwei Falsche Friedrichs bezichtigten sich gegenseitig des Fakes, während der echte Pseudonymfriedrich abseits stand. Nach 10 Tagen gab er auf. Vor allem weil ihn ein vierter Fakefriedrich rechts überholte.

In Ökosystemen gibt es Produzenten und Konsumenten.
Konsumenten konsumieren bedenkenlos.
Sie interagieren minimal und reagieren nur.

Cordkanal-Incident:
Spende für die Trolle, Vortäuschung einer zweiten Rate.
Umkehrung der Trollsituation.

Destruenten bauen Abbaubares ab.
Die reagieren nicht so stark auf Testergenbnisse, haben aber die wichtigste Rolle.
Trolle erfüllen diese Aufgabe im Netz (Leichenfraß, Exkrementenfraß.)

Damit die digitale Gesellschaft ein Ziel hat, sind Trolle auf eine Art notwendig.
Sie haben eine feste Rolle in der Evolution des Internet.
Sie festigen auch die Abwehr der Restgruppe - Saschas Blog ist jetzt sicherer als vor den Trollattacken.

In manchen Foren hassen sich alle, aber sobald der Troll kommt, schließen sie sich zusammen.

3. Taktik:
Trollmailverwirrung, Begeisterung.

"Ich plane ein Buch 'Poesie der Beschimpfung', ich würde gerne deine Mal gerne für das Buch verwenden."

Köder: "Rowohlt hat angebissen, wir liegen mit dem Vorschuss bei 50.000".
Ablehnung des Trolls.
Message: "Wir benutzen die Texte trotzdem."
Pseudo-Vertrag.
"Ist dein Agent vertrauenswürdig?"

Memetik:
Ideen sind immaterielle Gene, mit allen Vor- und Nachteilen.
Gedankendarwinismus funktioniert.
Trolle simulieren Testkonflikte - wie kampfspielende Löwenkinder.

Sie trainieren die Digitale Gesellschaft auf Trollresistenz, wir brauchen den User 2.0
Ein Ökosystem ohne Destruenten geht ein.

Jeder von uns ist Produzent, Konsument und Destruent und hat damit auch Trollanteile.
Die Zusammensetzung der drei Teile wird durch den Kontext bestimmt.

Update:

Sascha Lobo - Trollforschung from Christian Cordes on Vimeo. [k+]


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