06.12.2012

Kinder mit dem Swimmingpool ausschütten: mehr zu Adblockern

So, das ist ja ganz prima, ein Blogdialog, Stefan Waidele repliziert auf meinen gestrigen halb-fiktiven Chat-Dialog mit Ute:
Adblocker, kleine Kinder und große Brüder | Stefan.Waidele.info

tl;dr: Ads blockieren ist prima, obwohl dann der Anbieter kein Geld verdient, weil der Ad-Anbieter "Profile" der Webseitenbetrachter erstellt.

Der Dialogstil war witzig, aber ich wechsle mal den Modus.

I.
Stefan geht nicht auf mein Argument ein, dass der Inhaltsanbieter sich über die Werbung finanziert und dass werbefinanzierte Inhalte, so alle Adblocker nutzen, verschwinden -- manche wollen das ja, beispielsweise die Verleger ;). So lange nur manche das tun und das korrekt finden, haben sie entweder den kategorischen Imperativ nicht verstanden (den kann man natürlich doof finden und sich auf eine LMAA-nach-mir-die-Sintflut-Philosophie zurückziehen) oder schmarotzen auf Kosten anderer, deren Daten sie ausliefern. ("Sollen doch andere mit Ihren Daten für das bezahlen, was ich Schlaukopf auch so konsumieren kann. Hähä.") Was heißt "oder"? UND!

II.
Ads komplett auszublenden, weil im Kontext der Ads Daten gesammelt werden heißt, die Kinderschaar mit dem Swimmingpool auszuschütten. Es gibt inzwischen für alle vernünftigen Browser die Möglichkeit, die sogenannten 'Tracking Cookies' auszuschalten. Dazu braucht man dann auch keine extra Software.

III.
Sehr schön argumentiert hat - glaube ich - Jeff Jarvis in der Clover-Lover-TWIG-Folge (sowieso ein Video-/Podcast, der hörpflichtig ist). Grob gesagt:
Wenn man Leute fragt: Bist du für oder gegen "Tracking-Cookies", sagen die Leute: dagegen.
Fragt man sie: Willst du Werbung sehen, die zu deinen Interessen passt, oder Werbung für irgendwas, was dich gar nicht interessiert? Sagen sie: Och, lieber passende Werbung.

Mir geht es auch so: wenn ich schon Werbung angucke - was ich eben tue, um für meine Nutzung von Inhalten und Diensten zu 'bezahlen' (auch wenn ich seltenst klicke, sorry, meist interessiert mich ja der Inhalt), dann sehe ich lieber Werbung, die mich auch interessiert, bevorzugt: die einen Informationscharakter hat. Ohne Tracking Cookies geht das nicht. eventuell ändere ich da meine Meinung, wenn mir mit 50+ nur noch Werbung für Prostatamittel und Erwachsenenwindeln angezeigt wird ;). wenn jemand jetzt schon irrelevante Werbung sehen mag: gerne Tracking Cookies verbieten.
Wer gar keine Werbung sehen will, der soll sich bitte Medien suchen -und bezahlen-, die sich nicht über Werbung finanzieren. Im Newsbereich fallen mir da nur die öffentlich Rechtlichen ein (wenn man sofort bei der Schlussfanfare der Nachrichten ausmacht). selbst Kika nervt und macht Werbung für eigene Sendungen, so dass die Kids quengeln, dass sie das auch noch sehen wollen.

Jarvis übrigens findet -so ich ihn recht verstehe- auch das Killen der Trackingcookies böse, da es die Möglichkeiten, des Anbieters, attraktive weil klickträchtige Ads einzublenden (z.B. Retargeting) reduziert.

IV. Stefan, du wirst ein kleines "ad personam" erlauben müssen. Du bist Gastwirt [war sehr lecker bei dir letztens ;)] und Hotelier. Ich vermute mal stark (und nehme alles zurück, wenn ich mich irre), dass du auch Print-Werbung machst. Ob online, ist hier schon egal.
Aber: Was würdest du davon halten, wenn jemand als 400 EUR Job anbietet, alle Werbung in der Lokalzeitung von Neuenburg, im Hand- und Fußballerprogramm, im Narrenblatt etc. jeweils vor der Auslieferung manuell zu schwärzen für Leute, die die stört? Fändest du das OK? (Die Businessidee kannste haben, schenk ich dir ;) )


V. Zu Schluss noch ein Geständnis: Re-Targeting nervt. Ich sah wochenlang die Werbung eines Barcampsponsors auf allen Webpages ;) - und grad bei dir auf der Page die eines hoffentlich-bald-Kunden), da wünsch ich mir dann doch einen 'Ist schon gut'-Knopf.