24.06.2009

BarCamp - Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft

In seiner unnachahmlich charmanten Art hat Franz Patzig ein paar klärende Worte zum Thema "Barcamps heute" gefunden:
BarCamp - die Profiteure greifen nach dem Format

Er nennt ein paar Dinge, die auch mich in letzter Zeit gestört haben. Vor allem, wenn man per Google-Alert auf Pressemitteilungen zu Barcamps stößt, die den Satz beinhalten:
"Auf den ersten Barcamps tauschten sich kalifornische Internetblogger über Computertechnik aus."

Pardon: Der Satz dürfte von niemandem stammen, der sich schon mal auch nur mental einem Blog, Barcamp oder gar dem Internet mehr als auf mehrere Kilometer genähert hat. (Internetblogger? Wassn das? Leute die Web-Blogs schreiben, wahscheinlich...)

Franz' Headline ist sicher absichtlich reißerisch gewählt, um Aufmerksamkeit zu gewinnen.
Natürlich werden Barcamps von Firmen und anderern Institutionen ermöglicht, die es finanzieren. Und natürlich ist es OK, wenn den Firmen auch Aufmerksamkeit zuteil wird.

An reinen Sachkosten kostet ein Camp ca. 10-20.000 EUR, Räume und Reinigung, Netznutzung und Technik kommen dazu.
Wenn eine Firma einen Mitarbeiter (oder mehrere abstellt, kommt nochmal etwas Geld zusammen, so 1-2 Mannwochen muss man schon insgesamt rechnen.

Aber was hat eine Firma davon? Bringt es wirklich viel, wenn man entsprechende Meldungen zu openPR oder ähnlichen Portalen stellt?

Sicher ist es prima und wünschenswert, wenn möglichst Viele von der Barcampidee erfahren. Newbie-Quoten von 30-75% sprechen da für sich. Das kommt nicht vom Bloggen und Twittern allein zusammen.

Ob aber der druchschnittliche Zeitungsleser das ideale Ziel für PR dieser Art ist?

Wo profitieren Firmen wirklich?

Meiner Ansicht nach:

* Wenn man 10 Mitarbeiter aufs Barcamp schickt, das man mit 2000 EUR gesponsort hat, dann kostet die Wochenendfortbldung noch 200 EUR/Nase plus Hotel und Fahrt:Schnäppchen.
* Wenn 200 bloggende und twitternde Multiplikatoren diese 10 Mitarbeiter kennenlernen und als 'echte Commuitymitglieder' treffen und sich mit ihnen vernetzen können: unbezahlbar.
* Wenn manche der Anwesenden oder von Ferne zusehenden dann eventuell erwägen, ihre Arbeitskraft der Firma zur Verfügung zu stellen: Massiv billiger als jede Jobanzeige (Sorry, FAZ).

Wenn aber die Firma mit PR-Meldungen an die Öffentlichkeit tritt, bei dem jedes Communitymitglied den Kopf schütteln muss (und das obige Zitat ist nicht die einzige Peinlichkeit, die man auch an anderer Stelle liest) - dann ist die Marke in der Szene erstmal 'verbrannt': "Das waren doch die mit...".

Und der Community-Marke "Barcamp" tut es sicher nicht gut, wenn Werbeagenturen semi-interne Events als "Barcamp" unters Volk bringen.

So als Tipp: es gibt noch den Ausdruck 'open Space', der ist dafür auch geeignet und eben KEINE Community Mark.

Firmenbeteiligung an Barcamps: ja bitte.
respektieren der Community dabei: sowieso.
So klappt es auch in der Zukunft.

Disclosure: Am Fucamp habe ich in Eigenschaft eines Lehrbeauftragten der HFU mitorganisiert. Auch Leute, die angestellt sind, arbeiten im Auftrag ihrer Firma und in der Arbeitszeit an Barcamporgas mit, als Freelancer muss ich nicht zwingend auf eine ähnliche Konstruktion verzichten.

Update:
'Best practice' wäre übrigens einfach, wenn eine Firma diejenige Pressemitteilung des Orga-Teams (ggf.) formulieren und verbreiten hilft, wenn aber das Orgateam daaruf achtet, dass die Community und nicht die PR für eine Einzelfirma oder einen Rahmenevent im Vordergrund steht.

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