28.07.2014

Influencer auf Knopfdruck?

Ein Beitrag zur Blogparade “Wie finde ich den Influencer?”

Man wird ja träumen dürfen: Der Unternehmer bewegt ein paar Hebel, und drückt ein paar Knöpfe und schon findet er den idealen Verteiler um seine neuste Unternehmensnews an die "richtigen Leute" (früher: Multiplikatoren, heute: Influencer) zu verteilen, die dann nichts anderes zu tun haben, als kräftig über das Unternehmen und dessen News zu bloggen, zu youtuben, zu twittern und zu pinteresten.

Geht das?

Fragt man Unternehmenskommunikatoren, was sie sich im Web, auf Facebook und sonstwo wünschen. Es ist vor allem das eine: "Organische Reichweite." Heißt: Für die Verbreitung der Nachricht mag man nix bezahlen. Irritierend nur, dass es eben viele gibt, die genau das "Verbreiten gegen Bezahlung" zu ihrem Geschäftsmodell machen.

So, und diese richtigen Leute soll dann noch ein Monitoringtool ausspucken. Also man gibt in ein Formular "Haushaltskeber" ein (Sorry, ich hab gestern die erste Folge von "Kir Royal" mit dem halo-Fabrikanten (Mario Adorf)  wieder geguckt)  und raus fallen alle Bastelblogger, Bastelyoutuber, Scrapbookerinnen und sonstwer, der sich nen Keks freut, was über Haushaltskleber mit seinen "Freunden" zu teilen.

Jetzt muss man an sich nur noch eine Art Lückentext verfassen, und den an die Leute schicken. Also:

"Hallo (Vorname [wichtig, immer duzen!]),

regelmäßig schaue ich bei (URL des Kanals) vorbei [werde nicht rot,w enn ich lüge] und finde ganz toll, was du da machst. Besonders gefallen hat mir kürzlich (URL des drittletzten Beitrags) [den ich zwar nur grob angeguckt habe, aber du wirst es besser wissen, als ich].

Ich habe hier (ganz tolles Produkt), das deine (Leser/Zuseher/ Zuhörer/Follower etc) sicher interessieren wird. [Wäre es so, müsste ich dir nicht schreiben.]
Im Anhang findest du noch (öde Pressemitteilung und Hochglanz-PDF) mit näheren Infos.

Gruß
(AnjaTanja)
"
Tja. Nee. Aufwachen. So geht das nicht.

Das Social Web besteht aus zwei Komponenten Social + Web. Also sagen wir: einer menschlichen und einer technischen Ebene. Eine reine Suchmaschine wird die richtigen Ansprechpartner nicht finden und ohne "Vorwärmen" wird es auch schwer mit dem Kuscheln.

Wie also Ansprechpartner finden? Ja, man kann Googeln. Aber hier ein paar alternative Methoden
- das eigene Netzwerk fragen: "Wer kennt Blogger zum Thema ..."
-- Vorteil: Man kann sagen: "mein Bekannter X hat Dich empfohlen"

- auf Events gehen (Barcamp, Twittwoch, re:publica, pl0gbar, Webmontag, Mobile Monday, Barcamps, WikiWendnesday  etc.)
-- Vorteil: Man merkt an sich gleich, wer 'im Mittelpunkt' steht und kann sich der Person unauffällig näheren und "checken, wie sie tickt". Sagt man, was man macht und sieht die Person interessiert aus, geht es weiter.
-- noch ein Vorteil: Wenn die Person einen Vortrag hält, hat man nicht nur eine Art Arbeitsprobe, sondern merkt auch, wie die Person 'tickt'

- "Ripples" auf Google+ checken
-- diese Funktion zeigt bei vielgesharten Posts, wie sie sich weiterverbreitet hatten
- Dabei findet man immer wieder "menschliche Netzwerkknoten",
- die man im Auge behalten kann

- Ranglisten ansehen
-- beispielsweise die deutschen Top 200 Google+ Nutzer oder die Top 100 Blogs
-- und dann schauen, wer sich für die eigenen Theen interssiert und testen wie man sich unaufdringlich annähern kann. Es kann ja nicht sein, dass der "Pitch" die erste Annäherung an einen Influencer ist.

- Vorschlaglisten durchsehen
-- Ist man bei Twitter, Linkedin, XING etc. bereits mit "Branchenleuten" verknüpft, so kann man die Vorschlaglisten druchsehen und vorgeschlagene Personen quantitativ und qualitativ sortieren.
-- Vorgehen wie bei Google plus: Sind die überhauot aktiv, wenn ja sharen sie auch 'fremdes'? Woher haben sie ihr Tipps?

Mit solchen Strategien kann man sich langsam das ganze Netzwerk der "Influencerkommunikatoren" erarbeiten. das ist qualitativ hochwertig als einen oberflächliche statistische Analyse. Und es erzeugt echte Beziehungen.

Immer gilt:
- Ein Dialog sollte sich ergeben und
- nicht erzwungen werden.

Dann klappt es auch mit den "Influencer Relations".

Ach ja, und: Blogger wollen nicht einfach nur die selben Infos wie die Journalisten oder gleiche Infos wie andere Blogger. Sie haben gerne einmalige Inhalte. Youtuber brauchen ... bewegte Bilder. Podcaster: Töne. also: Liefern. Denken Sie sich etwas aus (ein Interview, eine Besichtigung, ein Gespräch, eine Probe, was immer).

Aber das ist schon nicht mehr das Thema "wie finden", das geht schon über ins "was reden?"