Es geht um ein Gespräch darüber, wie Erklärvideos heute mit KI-Unterstützung produziert werden können, welche Prozesse dahinterstehen und wie sich der Markt und die Erwartungen durch KI verändern. Zugleich thematisieren Oliver und Matthias Überforderung durch Tool‑Flut, Qualitätsfragen und die künftige Rolle von „human made“ Video gegenüber KI‑Content.
Kurzüberblick
Oliver spricht mit Matthias Galli aus Basel, der seit Jahren Websites und Erklärvideos produziert und inzwischen verstärkt KI in der Videoerstellung nutzt. Sie beleuchten Einsatzfelder von Erklärvideos, typische Produktionsprozesse, Chancen und Fallstricke von KI‑Tools sowie Fragen nach Qualität, Preis, Geschwindigkeit und Akzeptanz von KI‑Inhalten.
Zeitstrukturierte Zusammenfassung
0:00–3:30 – Einstieg und Vorstellung
Oliver kündigt an, nach einer sehr theoretischen Folge nun „sehr praktisch“ über KI‑gestützte Erklärvideos zu sprechen. Matthias stellt sich als Schweizer Unternehmer vor (Webagentur seit 2009, seit drei Jahren Inhaber einer Erklärvideo‑Agentur) und berichtet kurz über unternehmerische Höhen, Fails und das aktuell schwierige Marktumfeld.3:30–7:00 – Warum Erklärvideos? Typische Einsatzfelder
Erklärvideos sind sinnvoll, wenn Produkte/Dienstleistungen schwer greifbar, nicht gut filmbar oder ohne reale Personen erklärt werden sollen. Klassische Beispiele: animierte „Zeichentrick“-Erklärungen für technische Abläufe, virtuelle Bankprodukte, Montageanleitungen im Baustellenbereich, sowie stumm laufende Infoscreens in Arztpraxen oder Krankenhäusern. Ein Praxisfall sind IKEA‑ähnliche, textarme Clips zur Anwendung von Bodenabdeckungen, die ohne Ton international funktionieren.7:00–12:30 – Einstieg von KI in die Videoproduktion
Oliver thematisiert die neuen Möglichkeiten von KI‑Video (teilweise „Hollywood‑Qualität“) und die Hoffnung, komplexe Dinge schneller und einfacher produzieren zu können. Matthias beschreibt KI als Chance, Video‑Content rasch zu erzeugen, betont aber: „Rubbish in, rubbish out“ gilt weiter – KI parfümiert schlechten Inhalt nur optisch. Es geht daher um die Frage, wie man Qualität und Schlagkraft trotz vereinfachter Produktion sichert.12:30–20:00 – Tool‑Flut, Entscheidungsstress und Beratungsbedarf
Viele können heute theoretisch „alles selbst“ machen, stehen aber vor einer kaum überschaubaren Tool‑Landschaft (etwa ElevenLabs, diverse Video‑Engines, spezialisierte Grafik‑Tools, neue Vektor‑Grafik‑KIs usw.). Die ständige Veränderung (monatlich neue Tools, veraltende Prozesse) erzeugt Entscheidungsfeindlichkeit und Überforderung; Matthias überlegt deshalb, stärker als Prozess‑ und Effizienzberater für Unternehmen zu arbeiten. Oliver schildert seine eigene Tool‑Odyssee bei Kurzvideo‑Produktionen (TikTok, neue Google‑Video‑App mit Teleprompter) als Beispiel für wiederkehrende Prozessanpassungen.20:00–27:30 – Produktionsprozess eines Erklärvideos
Matthias skizziert den klassischen Ablauf: Ziel und ungefähre Länge klären, dann Textphase (Richtwert: 400 Zeichen ≈ 30 Sekunden), danach Sprachaufnahme (Studio oder KI‑Voice), Storyboard mit Szenen, Bild-/Videoauswahl oder KI‑Generierung und schließlich Schnitt und Feinarbeit. Früher arbeiteten dafür mehrere Spezialisten, heute kann KI einiges bündeln, aber die inhaltliche und dramaturgische Arbeit bleibt. Die Auswahl der richtigen KI‑Werkzeuge ist selbst wieder ein komplexer Prozess, der laufend angepasst werden muss.27:30–36:30 – Einsatz im Funnel und typische Use Cases
Erklärvideos können an vielen Stellen der Customer Journey eingesetzt werden:ganz vorne zur Aufmerksamkeitserzeugung (Social Media, Landingpages),
in der Mitte zur tieferen Produkt‑/Innovations‑Erklärung,
im Recruiting und Onboarding,
in interner Kommunikation und Compliance (z.B. Brandschutz‑ oder Sicherheitsschulungen mit Nachweis, dass Mitarbeitende das Video gesehen haben).
Ziel ist fast immer, in möglichst kurzer Zeit möglichst klar zu erklären – „on point“ und mit passender Tonalität zur Corporate Identity.
36:30–45:00 – Tonalität, Kultur („du“/„Sie“) und Kunden‑Ziele
Die Agentur fragt gezielt Dinge wie CI, „du“ oder „Sie“, Vorbilder/Konkurrenzseiten und Einsatzzweck ab. Es folgt eine längere, teils humorvolle Diskussion über kulturelle Unterschiede beim Duzen/Siezen in Deutschland und der Schweiz und was das für Werbe‑ und Erklärvideos bedeutet. Matthias betont, wie wichtig gründliches Zuhören ist, weil Kunden sehr unterschiedliche Ziele haben: Neukundengewinnung, interne Reputation (z.B. HR), Jubiläums‑Storytelling oder einfach „sich etwas gönnen“.45:00–53:30 – KI, Qualität und Intelligenzbegriff
Sie diskutieren das Spannungsdreieck „gut – schnell – billig“: KI verändert die Kalkulation, aber Qualität bleibt entscheidend, weil Kunden letztlich am Ergebnis (und oft an Details wie Tippfehlern) messen. Matthias warnt davor, sich von visuell beeindruckendem KI‑Output täuschen zu lassen – entscheidend sei, ob das Video das beabsichtigte Ziel erreicht. Anhand von Beispielen (Informationskrieg, Fake News, Halluzinationen, Jassen‑Kartenspiel) zeigt er Grenzen von KI‑Wissen und die Notwendigkeit eigener Denkarbeit; teils brechen sie bewusst Workshops von KI zurück auf manuelle Arbeit, weil das Ergebnis klarer wird.53:30–1:02:00 – KI‑Müdigkeit, Human‑Made und Zukunft des Mediums Video
Oliver und Matthias sprechen über kognitive Differenz (Tempo von Output vs. Aufnahmefähigkeit) und künstlich verlangsamt wirkende Chats, sowie über die unsichtbare menschliche Arbeit hinter vielen „KI‑Leistungen“. Matthias beobachtet erste Anzeichen von KI‑Müdigkeit und fragt, wer all den automatisch erzeugten Content künftig noch konsumieren soll. Sie diskutieren Ideen wie „Human made“-Labels, den Wert physischer Begegnung, typische Technologie‑Hypezyklen, die Rolle humanoider Roboter und die Frage, ob wir in Zukunft weniger, dafür hochwertigere Videos brauchen werden.1:02:00–1:05:10 – Ausblick auf die nächsten Jahre und Schluss
Für die nächsten zwei Jahre erwartet Matthias, dass keine Videoagentur mehr ohne KI auskommen wird, zugleich aber reine „KI‑Agenturen“ wirtschaftlich Probleme haben, weil viele Kunden KI als „kostenlos“ wahrnehmen. Bleiben werden aus seiner Sicht Menschen und Firmen, die bereit sind, für konstante Qualität und professionelle Begleitung zu zahlen. Zum Abschluss stellt Oliver die Frage „lieber weniger Gutes oder mehr Mittelmäßiges?“ in den Raum, lädt zum Weiterdiskutieren ein und verabschiedet sich mit seinem typischen „lebt lange und in Frieden, möge der Saft mit euch sein“.
Kernpunkte des Inhalts
Erklärvideos sind ein vielseitiges Werkzeug für komplexe, abstrakte oder sicherheitsrelevante Inhalte – gerade dort, wo Text, PowerPoint oder Realfilm an Grenzen stoßen.
KI senkt Produktionsschwellen (Skript, Voice, Bild, Schnitt), erhöht aber Tool‑Komplexität und erfordert umso mehr konzeptionelle Klarheit und Qualitätsbewusstsein.
Entscheidend bleibt, ob ein Video sein Kommunikationsziel erreicht, nicht ob es „KI‑schick“ aussieht; manchmal ist langsame, händische Arbeit für Positionierung und Story besser.
Die Branche steht zwischen Content‑Flut, KI‑Müdigkeit und der Frage, wie „Human made“ und professionelle Begleitung in einem von KI geprägten Markt ihren Wert behaupten.
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