28.03.2009

Das Weblog und das Private

Angeregt durch das Posting von Stefan Pfeiffer zur zwiespältigen Position des Corporate Bloggers war doch mal zu kläären, was diese ominösen 'Privatblogs' eigentlich sind.

Hier mein Kommentar dort, die Lektüre der "Vorlage" ist ggf. hilfreich.

Das ist in der Tat ein interessanter Komplex. Und wirklich: komplex.

Ich behaupte ja immer, dass ich den Ausdruck "privater Blogger" bzw. 'privates Blog' nicht verstehe.

Erst kürzlich fiel es mir wieder auf, als ich durch eine schule ging und etwas suchte, was mein Sohn verloren hatte. Plötzlich stand ich vor einer Tür, an der stand: "Privat", es war ein Nebenzimmer des 'Hausmeisterkabäuschens' und ich frage mich, was genau "Privat" hier wohl heißt.

Wenn man es pragmatisch sieht: Hier geht es nicht weiter, hier endet jede Form des öffentlichen Bereichs. In arztpraxen und wenn man hinter der Kneipe die Toilette sucht trifft man ebenfalls auf solche Schilder. sie heißen immer das selbe: Diese Tür bleibt zu.

Privat hieße also: "Nicht öffentlich."
Es gibt in der Tat nicht-öffentliche Blogs, solche, die nur unter Passwort liegen, meist bei Blogdiensten, dei auf 'Life-' beginnen.
In Japan, las ich, galt es als ungehörig, die Blogadresse von Bloggern im eigenen Blog zu nennen, sie waren, obwohl nicht unter Passwort, nicht für die Suchmaschinen-Öffentlichkeit bestimmt.

"Privat" liest man auch manchmal auf Spaziergängen, meist oft da kein Tor, kein Gatter, aber es ist geklärt: Hier gehst du nicht lang, klar?

Hierauf bezieht sich auch die ursprüngliche Bedeutung des Begriffs 'privat', den wir in der Wikipedia angedeutet finden:

Privat (von lat. privatus, PPP von privare, „absondern, rauben“, privatum, „das Eigene“ und privus, „für sich bestehend“) bezeichnet Gegenstände, Bereiche und Angelegenheiten, die nicht mehr der Allgemeinheit gehören bzw. offenstehen, sondern nur einer einzelnen Person oder einer eingegrenzten Gruppe von Personen, die untereinander in einem intimen bzw. einem Vertrauensverhältnis stehen... - http://de.wikipedia.org/wiki/Privat

"Das Private", so fiel mir, als ich erst ganz kürzlich darüber nachdachte - ist also der Un-Natürliche Zustand; denn an sich gehört die Natur ja allen, nicht.also gehörte, sagen wir, bei den Jägern und Sammlern. Da reichte der Horizont so weit, bis man auf die nächste Sammlergruppe stieß. "Privacy", so meine These, ist etwas, das mit der Lebensform jenseits des Dorfes entstand, also final mit der Landflucht bei der Industrialisierung, und das mit dem Global Village und dem Niedergang des Industriellen auch wieder verschwindet.

Man könnte, steil ge-thest, sagen, dass das Ignorietren von Privacy durch (post/industrielle // intransparente) Unternehmen deren vorletztes Zucken in der Informationsgesellschaft ist - denn in der Tat geht es ja um Informationskontrolle.

Noch anders.

Auch der non-Business-Blogger hat ja "Bindungen", es sind eben andere als unmittelbar wirtschaftlche bzw. ander als vertrags-rechtliche. Sie sind familiär, persönlich, sozial. all das würde bedingen, was diese Person so bloggt.

Es gibt ja Blogger, die entweder erfolgreich anonym geblieben sind oder zumindest ihre Kunden nur extrem selten nennen. es sind manchmal Blogger, dei gleich mit dem Fuinger zeigen, wenn sie vermeintlich oder tatsächlich beruflich bedingte Korrelationen zwischen Artikeln und Auftraggebern anprangern. Bei ihnen selbst gibt es solceh Korrelationnen eventuell auch, aber se blieben - priivat. Und die Tramsparenz, dei sie anderswo fordern, sind sie selbst nicht bereit zu gewährleisten.

Natürlich gibt es für jeden Tabus -- auch der Tagebuchblogger hält sein Famlien- oder Sexualleben aus dem Blog draußen -- oder thematisiert GERADE jenes und wird zum Digitalexhibitioniesten.

Zum MIx aus Privatmeinung (Politik, whatever) und Businessblog sagte Martin Röll mal sinngemäß, dass er für jemand, der ihn wegen seiner Meinung nicht anheuern würde, auch nicht arbeiten wolle. Macht da dann eine Spaltung in Brivat- und Businessblog überhaupt Sinn, solange beide an der selben identifizierbaren Person hängen? Ist etwas, das man im Privatblog schreibt (oder twittert) geschäftlich wirklich irrlevenat? (vgl Cisco Fatty...). Implizit wüdre das wohl eher heißen, dass Businessblogger nur voll-anonym Privatbloggen könnten. Oder: das ihnen ihre private Stimme (widersinnigerweise) geraubt würde.

Also anders: Jenseits der Vollanonymität oder des apsswort-gesicherten Blogs (das ja immer noch geleaked werden könnte, so wie diverse CEO-E-Mails), denke ich dass der ausdruck 'Privatblog' kaum sinnvoll zu definieren wäre.

[Dieses etwas längeren Kommentar werd ich dann noch in mein Blog stellen, da das ohnehin mal geklärt werden musste.]

Ach ja, Disclosure: In das Blue-Blog von IBM war und bin ich beratend involviert ;)


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