15.02.2016

Bloggen ohne Blog? ( #blogparade #bloggenohneblog )


Alles über Weblogs
Meike ruft zur Blogparade und fragt sich, ob man, nachdem es so schöne Plattformen gibt wie Medium oder Facebook Notes oder Linkedin Pulse, ob man also noch ein eigenes Blog braucht.
Und da heute Deadline ist, muss ich wohl, oder?

Statt einer umfassenden Abhnadlung, mache ich mir mal hier ein paar Abwägungsideen
a) Warum bloggen?
b) Wie ist der Mechanismus? (Und warum funktioniert bloggen?)
c) Sind dazu externe Plattformen wie Linekdin, Medium und Facebook geeignet? (Bzw für welche Formen sind sie ggf. geeignet?)

Warum bloggen?

Zunächst stellt ein Blog mir einen persönlichen oder (für Firmen) von sonstigen Medien/Redaktionen unabhängigen Kommunikationskanal zur Verfügung. Beschränkt bin ich nur durch Gesetze, ansonsten bin ich "Herr des eigenen Agendasettings".

Ich kann ein Blog betreiben um SEO zu betreiben, mich zu profilieren (Kompetenz) aber natürlich einfach auch nur, um eine strukturierte Form des öffentlichen Nachdenkens zu betreiben. Vieles versteht man besser, wenn man darüber spricht - oder schreibt.

Natürlich ist das dann vom Inhaltlichen getrieben, das ist aber ohnehin allen Blogs gleich. Tausende Blogformen hier aufzuspreizen, das ist nicht der Platz, aber im wesentlichen dürften das oben die Grundlagen sein - natürlich immer mal mehr mal weniger von wirtschaftlichen Interessen begleitet, mal direkten (Traffic, Sales) mal eben indirekten (Kompetenz, Profil, ...).

Ein Blog wäre also im Kern ein dialogischer (Kommentare) Contentkanal, beim de ich über Inhalt, Form und Frequenz bestimme.

Warum funktioniert bloggen? Und geht das auch auf allen Plattformen?

Es gibt sicher ein Bündel von Gründen, warum sich Blogs etabliert haben. Und warum Twitter, Google+ und Facebook sie noch nicht ganz plattgehauen haben.

- Nachhaltigkeit, Long Tail, SEO

Ich werde nicht selten auf Blogbeiträge verwiesen, die fünf oder acht Jahre alt sind. Und mit die erfolgreichsten Artikel auf meinem Blog sind viele Jahre alt (was mir natürlich zu denken geben sollte ;) ). Blogs bekommen viele viele Besucher (mal 20%, mal 70% aus dem Such-Long-Tail: einmal geschrieben, und dann kommen die Besucher mal mehr, mal weniger, über Jahre.

Bei externen Plattformen ist weder die Konstanz des Features gesichert (XING Themen wurde wieder eingestellt) noch deren Offenheit für Suchmaschinen gegeben oder gar erwünscht. Aus firmenpolitischen Gründen kann z.B. Google nicht alle Inhalte sehen, die bei Facebook (an sich öffentlich) eingestellt werden.

Und selbst wenn ich meine Blogsoftware wechsle (was ich schon mehrmals  getan habe) kann ich alle Artikel immer mitnehmen (nur die Kommentare hat es mir punktuell zerbrezelt).  Man versuche das vom Umzug von Facebook Notes auf Linkedin Pulse.

Als in der Nachhaltigkeit unproblematisch haben sich Plattformen wie blogger.com oder wordpress.com erwiesen: Sie sind so groß, dass bei Ihrer Einstellung Exportschnittstellen en masse zur Verfügung stünden bzw. bieten schon jetzt Exportmöglichkeiten. auch dei berühmte "eigenen Domain", die eine geringere Rolle spielt, als man die Berater landläufig munkeln hört, ist auf beiden Plattformen leicht einzublenden.

- Selbstbestimmtheit
Wir haben es oben schon angedeutet: Bloginhalte werden vom Individuum oder der Firma selbst bestimmt. ich muss nicht darauf achten, ob ein Thema "newstauglich" ist, ob es unter den strengen Augen einer Nachrichtenredaktion lokaler oder anderer Art besteht. Ich muss nur sehen, ob es meinen Zielen entspricht und für die Zielgruppe oder Influencer geeignet ist.

Hier kann es sein, dass ich sowohl bei Bloginhalten als auch bei Kommentaren von Plattformen eingeschränkt werde. Eventuell sogar bis zu dem Punkt, dass kein Kanal einfach abgeschaltet oder mein Account gelöscht wird, ohne, dass ich die Chance habe, noch einzugreifen. Ähnliches ist mir bei einem Blog passiert, das ich auf Wordpress.com betrieben habe. Ich hatte dort jahrelang Bookmarks von delicious wöchentlich und Tweets täglich automatisch protokollieren lassen - aber in neuer Zeit dann nur noch normale Beiträge geschrieben. Das Blog wurde ohne jeden Dialog abgestellt, ein Export war noch erlaubt, einen Dialog gab es nicht. Das Blog ist jetzt als Wordpress.org-Blog auf eigenem webspace archiviert.

- "Interoperationalität"
Blogs haben sich über Jahre, langsam schon Jahrzehnte entwickelt. Sie arbeiten mit einer ganzen Reihe anderer Dienste zusammen, sei es, in dem sich iframes integrieren lassen, Widgets, Plugins, sei es über Schnittstelen wie RSS oder XML/RPC. Baut jemand einen neuen Service, achtet er darauf, eine Funktion bereitzustellen, die Blogger- oder Wordpress-Blogs verwenden können, oder generische Codes für alle anderen Bloggeschmacksrichtungen.

Ich kann Videos einbinden, Slideshows, Bildergalerien und kann gleichzietig via RSS meinen Blog-Stream überall anders ausspielen: Facebook, Twitter, Linkedin (via IFTTT) etc. Das Blog wird zu zur zentralen Sammel- und Verteilstelle aller eigener Social-Media-Publikationen.

Teilweise erlauben Plattformen wie Medium eine Integration, aber bei Facebook und Linkedin: Fehlanzeige. Solche Integrationen laufen sogar den Firmeninteressen der Anbieter zuwider. Demgegenüber ist z.B. Wordpress ein offen erweiterbares System, das seine Grenzen nur in Abrufzeiterwägungen oder Sicherheitsbedenken findet.


Nicht selten fehlen den externen Plattformen ordentliche RSS-Formate, so dass von dort Contnet ausschließlich manuell weiter verteilt werden kann. Ob RSS-Reader noch relevante Publikumsmengen haben, darf eh bezweifelt werden.

- Zugänglichkeit
Blogs operieren i.d.R. im "open web". Sie sind einfach von überall zugänglich, per Browser und inzwischen auch mobil. Um bestimmte Plattforminhalte zu sehen, muss ich oft eingeloggt sein oder gar eine passende App vorhalten. Beides bedingt wie schon oben erwähnt auch eine eingeschränkte Findbareit in Suchmaschinen: der Content wird nur im Sream gesehen und maximal noch weiterempfohlen, dann verschindet er. Mal nach Sekunden, mal nach Minuten meist aber nach Tagen. Das, was wir oben Nachhaltigkeit nannten, wird auch durc mangelnde Offenheit nicht positiv beeinflusst (ok, der Satz war jetzt unnötig umständlich ;) ).

Monitoring
Aus dem eigenen Blog kann man jede Menge Informationen ziehen, was Traffic, Trafficquelen, Suchbegriffe, Abrufdauer und andere relevante Werte angeht, dei man zur eigene Erfolgskontrolle eventuell messen möchte.
Die verfügbaren Monitoringdaten auf Plattformen wie Facebook Notes der Linkedin Pulse sind nicht nur rudimentär sondern auch oft intrasparent: Was wir wann gezählt? Wann ändert sich diese Zählweise? Man weiß es nicht unbedingt.
Punktuell können diese Plattformen (wie z.B. Linkedin) genauere Daten über Seitenbesucher darstellen und sogar deren Identität enthüllen. Da darf man aber auch fragen, ob wir
 das als Publisher brauchen und auch wollen, wenn wir der Beobachtete sind.

Wann reichen Plattformen?
Denkbar ist, dass ich manche Formen der Influencerkommunikation ausschließlich auch nicht-nachhaltigen Stream-Plattformen tummeln. Dass es bei vielen - auch Text- - Beiträgen nicht darauf ankommt, ob sie auch nur nächste Woche noch findbar oder verlinkbar sind, dass ich alles -wie bei Snapchat - auf die 24-Stunden-Kampagne konzentriert und alle Kommunikation dann weder im digitalen Orkus versinkt; vielleicht sogar: versinken soll.
Ja, es gibt Leute, die auch Streams hinterherspüren oder Jahre alte Vlogbeiträge ihrer Youtube-Lieblingsstars durchforsten. Und natürlich sich Blogbeiträge bei Notes oder Pulse via Profil noch einigermaßen OK zugänglich.

Fazit
Für eine nachhaltige Onlinekommunikation, die selbstbestimmt ist und alle Vorteile des Bloggens ausnutzt ist das eigen Blog, sei es selbstgehostet oder auf Plattformen wie Blogger.com oder Wordpress.com, unabdingbar. Dort nehemn Plattforen wie Facebook und Linkedin - selbst in ihrer Blogfunktion - eher die rolle des Teaser-Trägers ein.

Für nur tagesaktuell relevante Influencerkommunikation können sich auch externe Plattformen anbieten, wenn dort das Zielpublikum gut erreicht werden kann und wenn eine langfristige Zugängllichkeit der Inhalte und Dialoge weder notwendig noch gewünscht ist.



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