02.01.2017

Durchgreifender Wandel der Freiberufler-Szene durch soziales Netzwerken



Ein Gastartikel von Javier Gázquez.

Das soziale Netzwerken hat die Gesellschaft in den Grundfesten erschüttert. Seine Auswirkungen kriegt auch oder namentlich die Arbeitswelt zu spüren. Während Arbeitgeber akribisch die sozialen Netzwerke durchforsten, um Aufschluss über die Schwächen und Fehltritte ihrer Bewerber zu erlangen, haben Freiberufler keinen Grund zur Klage. Ihr Dienst auf Abruf wird von Unternehmen gern gesehen.

Nachdem ein Ende der Auslagerung betrieblicher Tätigkeiten nicht abzusehen ist, rücken soziale Netzwerke immer stärker in den Vordergrund. Sie arrangieren nicht nur das Treffen von Auftraggebern und Interessenten, sondern führen darüber hinaus zu einer maßgeblichen Verbesserung von Arbeitsangebot und Arbeitsnachfrage.

Arbeitsqualität durch eine Atmosphäre des Vertrauens
 

Das A und O jeder guten Zusammenarbeit ist das gegenseitige Vertrauen. Angesichts kurzfristiger Engagements von Freiberuflern und anonymer Anbieter in der virtuellen Welt scheint da der Wunsch der Vater des Gedankens zu sein. Soziale Netzwerke vermögen aber Brücken zwischen den Menschen zu schlagen. Interessen und Beziehungen, die Leute miteinander teilen, wirken verbindend. Sie stärken das Wir-Gefühl, sind durch und durch vertrauensfördernd. Überträgt sich dieses Vertrauen endlich auf die Arbeitswelt, sind beide Seiten, Anbieter wie Nachfrager, bemüht, einen guten Job zu machen. Heißt im Klartext: Gebricht es nicht am Vertrauen, können sich Freiberufler sicher sein, mit jener betrieblichen Umsicht umsorgt zu werden, die für Festangestellte schiere Selbstverständlichkeit ist.


Notwendigkeit der Investition in Humankapital


Durch die steigende Tendenz von Unternehmen, für spezielle Aufgaben gezielt in der virtuellen Welt nach Personal Ausschau zu halten, finden mehr und mehr Freiberufler durch ihre Internetpräsenz ihr Auskommen. Gleichzeitig sehen sie sich in der Pflicht, unentwegt in ihre Qualifikation zu investieren, um im harten Online-Wettbewerb auf Dauer bestehen zu können. Das lebenslange Lernen ist nicht länger nur eine leere Phrase, sondern unerlässlich, wer in der gläsernen Welt des Internets auch künftig bei Arbeitgebern in hohen Gnaden stehen will. Während die innerbetriebliche Resonanz für gewöhnlich ungemein verhalten ausfällt und allenfalls bei einer Beförderung ein Thema ist, gibt es im Internet tagtäglich das Feedback, das Rating, die kritische Hinterfragung der Leistung. Dieser permanente Leistungsdruck durch die Transparenz des Geschehens bringt unweigerlich eine neue Qualität der Arbeit mit sich, die vor noch nicht allzu langer Zeit undenkbar gewesen wäre.


Gewöhnungsbedürftige neue Selbstständigkeit


Noch ist die neue Selbstständigkeit als online abrufbare Arbeitskraft wenn nicht befremdlich, so doch allemal gewöhnungsbedürftig. Dabei gehen Schätzungen davon aus, dass bis 2020 die Zahl der unabhängigen Arbeitskräfte 70 Millionen erreicht haben wird. Nicht wenige sehen dabei die Social Media als treibende Kraft dieser Entwicklung. Dies deshalb, weil sie dazu einladen, positive Erfahrungen mit anderen zu teilen. Entsprechend groß ist die Wahrscheinlichkeit, dass andere der freiberuflichen Unabhängigkeit einen Reiz abgewinnen und ebenso fortan online ihre Dienste zur Verfügung stellen.


Endlich werden auch sie der Versuchung nicht widerstehen können, von den besten Unternehmen mit den besten Aufträgen zu den besten Konditionen zu berichten. Diese Transparenz führt im Verein mit nahezu lückenloser Information à la longue zu einer solchen Effizienz des Marktes, dass sich auch der letzte Mohikaner der Unternehmerszene dazu entschließt, mit der Tradition zu brechen und sich auf dem Internetmarkt der Freiberufler um geeignetes Personal umzutun.