Was 'Privatsphäre' wirklich heißt

Uff, die Prost-Privacy-Debatte ist natürlich ein Fass, das man an sich nicht ner 300 Seiten aufmachen sollte.
Aber etwas, das ich mal gelesen hatte und für das ich dann trotz gelegentlichem Gegoogle keine Belege fad, soll hier kurz dokumentiert werden.

Das lateinische "privare" heißt nämlich 'rauben/berauben'. D.h. wenn man durch den Wald läuft und plötzlich auf ein Schild trifft:  PRIVAT, dann zeigt hier jemand an, dass er von der gemeinschaftlichen Allmende, dem gemeinsam genutzten Land (warum man das verkaufen und kaufen kann, lässt sich ja maximal historisch erklären), dass er also von der Allmende etwas abgeteilt hat und es sozusagen der gemeinschaftlichen Nutzung qua Macht und Gewalt (wie sonst?) entzieht, es des allgemeinen Zugangs eben beraubt.

Von diesem sehr konkreten Sachverhalt leitet sich dann der Gebrauch her, dass das Schild auch an gewissen Türen in sonst der Öffentlichkeit (zumindest zeitweise) zugänglichen Behausungen prangt oder dass,  als finale Metapher, ganze Lebensbereiche von Personen der öffentlichen Sichtbarkeit und Kontrolle entzogen werden.

Dass das genau jener Bereich ist, Familie und Beziehung,  in dem am meisten Gewalt gegen Kinder und Frauen passiert, das sei hier nur als möglicher Exkurs angedeutet.Man möge sich nur die protestantisch transparente Gestaltung der Wohnbereiche des  Niederländers ansehen, wo gezeigt wird: "Schau, ich habe nichts zu verbergen, mein Wohnbereich ist einsehbar, meine Küche auch; lediglich meine Notdurft und andere Tätigkeiten jenseits der Gürtellinie verrichte ich nicht Einsehbaren."

Kürzlich fand niemand etwas dabei, dass (bei XING) sein beruflicher Lebenslauf online stünde, aber seine Grundschule gehe keinen was an. Auch wenn sich mir das nicht  erschloss: Dann einfach nicht reinschreiben, wenn man in Suleyken, Seldwyla oder Schilda auf der Grundschule war.

Wie gesagt, das große PP-Fass liegt mir fern aufzumachen, aber es wär ja ganz schön, wenn man sich erinnerte, was 'privat' ursprünglich bedeutete.

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